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Dankesrede von Michel Serres - deutsch -

Veröffentlicht am 23.02.2014
Plädoyer für die Verschmelzung





Dankesrede von Michel Serres anlässlich der Verleihung
des Meister Eckhart Preis 2012




Liebe Freunde,

berührt von Ihrer Großzügigkeit möchte ich Ihnen zum Dank von meiner lebendigen Beziehung zu Deutschland erzählen und Ihnen den Traum offenbaren, zu dem mich diese von Vernunft und Leidenschaft zugleich genährte Liaison inspiriert hat.

Mein Leben

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war ich neun Jahre alt und 15, als er endete. Damit habe ich die Mobilmachung, die rasche Kapitulation, die Besatzungszeit, die Entbehrungen und die Bombardements erlebt; ich sah die Flüchtlinge ankommen und die Deportierten fortgehen; ich habe von den Säuberungsaktionen erfahren und die Nürnberger Prozesse verfolgt. Ich habe als Kind unter den Tragödien, die unsere beiden Völker zu Gegnern machten, so sehr gelitten, dass es mir nicht möglich war, Deutsch zu lernen, eine Sprache, die ich dennoch später zu lieben, zu respektieren und zu bewundern vermochte. Meine frühen Lebensjahre wurden von diesem Konflikt und denjenigen, die ihm vorangingen und nachfolgten, zutiefst berührt. Mehrere abscheuliche Kriege haben meinen Körper, meine Knochen, mein Fleisch und mein Blut geformt und meine Seele nach Frieden streben lassen.
Während der 1950-er bis 1970-er Jahre habe ich mich als Erwachsener aus ganzem Herzen für die Aussöhnung engagiert. In meinen Kursen, die ich als Professor in Paris hielt, lernte ich viele deutsche Studentinnen und Studenten kennen, die mir über die Jahre zu Freunden wurden und damals krank vor Schuldgefühlen waren. Ich habe sie getröstet. „Wovon sprecht ihr?“, frage ich sie. „Wir haben vergessen!“ Die Geschichte verlangt zwar nach einer Pflicht zur Erinnerung, das Leben jedoch fordert die Pflicht des Vergessens ein.
Seit 60 Jahren herrscht ein historisch seltener Frieden in Westeuropa, der aus Hass hat Freundschaft werden lassen. 85 Prozent der hier geschlossenen binationalen Ehen vereinen französische und deutsche Partner. Jedes Mal, wenn ich mich nun von Frankreich in Ihr
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Land begebe, überschreite ich die Scheidelinie, welche einst die Grenze zwischen uns zog. Inzwischen ist sie unscheinbar geworden und es gibt weder Wächterhäuschen noch Grenzbeamte oder irgendeine Art der Kontrolle. Dies ist im Gefühl des Augenblicks ein paar Tränen wert, und ich kann nicht umhin zu weinen. Welche Freude ist es doch, nicht mehr voneinander getrennt zu leben! Welch ein Fortschritt verglichen mit der Zeit, in der wir noch auf diesem Boden Millionen von Toten hinterließen!
Ich bin stolz, der Generation anzugehören, die Vorbildern wie Adenauer oder Schumann folgt, welche sich ihr Leben lang dafür einsetzten, zwei von Schlachten zerrissene Länder einander wieder näher zu bringen – Schlachten, die viele für kollektiven Suizid halten. Aus vielerlei Gründen, aber vor allem getragen von dieser pazifistischen Grundeinstellung, zeige ich mich Ihnen als überzeugter Europäer.
Doch voller Ungeduld träume ich heute von dem nächsten folgerechten Schritt, nämlich der Verschmelzung. Gemeinsam sollten wir den nächsten Entwicklungsschritt der Europäischen Union angehen. Ich wünsche mir eine vollständige Vereinigung von Deutschland und Frankreich oder vielmehr der Deutschen und der Franzosen. Diese Unterscheidung werde ich im weiteren Verlauf erklären.
Welche Gründe führen zu dieser wünschenswerten, möglichen oder vielleicht sogar notwendigen Vereinigung?

Unsere Geschichte

Deutsche und Franzosen halten sich bisweilen für sehr verschieden. Ich reise viel um zu lehren und lebe seit langem in den Vereinigten Staaten. Vielerorts begegne ich Emigranten wie mir. Aus unserer europäischen Selbstwahrnehmung heraus sind wir uns kaum noch bewusst, dass uns eine gemeinsame, die Differenzen überbrückende Kultur beseelt und vereint. Von außen betrachtet ist viel augenscheinlicher, welche gemeinsamen Charakterzüge uns einander näher bringen.
Wir sind Völker von Denkern, Wissenschaftlern und Ingenieuren, die sich beispielsweise von den Briten, welche viel empirischer und skeptischer sind, deutlich unterscheiden. Das kartesianische Denken französischer Couleur steht dem deutschen Idealismus nahe und unsere Philosophie des Lumières der deutschen Perspektive der Aufklärung. Beides ist Ausdruck eines passionierten Vertrauens in die Vernunft. Die Neugründung der Universitäten in Deutschland im 19. Jahrhundert wurde durch die Erfolge der französischen Wissenschaft vor und nach der Revolution angeregt. Unsere gemeinsame kulturelle Geschichte zeigt eine parallele und oft brüderliche Blütezeit von Mathematikern, Physikern, Biologen, Geschichts-
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und Geisteswissenschaftlern … Wir stellen uns der Abstraktion und wissen ihr zum Leben zu verhelfen; daher die vielen formalen und praktischen, technischen und industriellen Erfindungen.
Eine zweite Annäherung: Wir haben denselben Respekt vor dem Staat und vor dem Gesetz. Gewiss, die Frage der Dezentralisierung wird auf der rechten Seite des Rheins flexibler gehandhabt als in Frankreich; hingegen hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe mehr Befugnisse und eine größere Unabhängigkeit als unser Verfassungsrat.
Eine dritte Annäherung, und zwar die Religion betreffend: Wir haben den christlichen Dualismus zwischen Katholiken und Protestanten erlebt und erleben ihn immer noch. Mehr Lutheraner auf der einen Seite des Rheins, mehr Calvinisten auf der anderen. Ich habe oft an die Aufhebung des Ediktes von Nantes gedacht, die beispielsweise in Berlin die Zuwanderung von aus Frankreich emigrierten Familien begünstigte. Unsere Kriege, waren sie nicht längst Bruderkriege?
Letztendlich sind wir voneinander fasziniert. Die Franzosen bewundern die wirtschaftlichen und industriellen Erfolge der Deutschen, und die Deutschen interessieren sich für die französische Lebensart, die sie bisweilen für glücklicher halten als die eigene. Die Autos auf der einen Seite, der Käse und der Wein auf der anderen! Beethoven hier, die Impressionisten dort. Diese Faszination kann jedoch auch kritische Formen annehmen: Sie verabscheuen unsere Disziplinlosigkeit, wir können Ihre Gehorsamkeit nicht ausstehen. Die Anziehungskraft, selbst wenn sie mit dieser Art von Heftigkeit verbunden ist, charakterisiert sie nicht genau die Leidenschaft der Liebe?
Doch das ist Geschichte, und es handelt sich um eine Art ‚vereinbarter‘ Klischees.

Sprechen wir doch lieber von der Gegenwart.

Das Vorhaben

Unsere Verschmelzung kann man als Frucht der von mir beschriebenen positiven Entwicklung verstehen, doch trägt sie auch eine Notwendigkeit in sich, da unsere beiden Länder sich Gefährdungen aussetzen. Frankreich ist seinerseits in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Mein Land hat sich für die großen Konzerne entschieden, und der Mangel an kleinen und mittelständischen Unternehmen beeinträchtigt unseren Handel erheblich. Wir durchlaufen eine ernsthafte Krise der Deindustrialisierung. Deutschland hingegen hat in dieser Frage die richtigen Entscheidungen getroffen und erntet jetzt die Früchte. Ihr Land ist wirtschaftlich gesünder als alle anderen europäischen Länder und zieht von dort Arbeitskräfte an. Dennoch durchläuft es seinerseits eine durch Geburtenrückgang
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verursachte demographische Krise, während Frankreich eine vergleichsweise gute Geburtenrate aufweist.
Wir sind also in Gefahr – der eine wie der andere – und geben das nur ungern zu, weil
wir weiterhin Modellen folgen, deren Exzellenz uns in der Vergangenheit zwar hat erfolgreich sein lassen, die aber für unsere gegenwärtige Welt immer weniger geeignet scheinen. Ich befürchte, dass wir uns unser eigenes Grab schaufeln, wenn wir die Chancen, die aus unserer gemeinsamen Kultur erwachsen, weiterhin an uns vorüberziehen lassen.

Da wir uns also beide in Gefahr befinden, können wir uns nicht gegenseitig retten?
Ja. Verschmelzen wir.
Aber wie?

Veraltete Ideen

Diese Vereinigung sollte weder die Form einer Nation noch die des Vaterlandes annehmen, da die historisch damit verbundenen Emotionen und Ideen bis in die jüngste Vergangenheit bereits zu viele Kriege und Tote nach sich gezogen haben. Das berauschende Gefühl der Zugehörigkeit wäre mit schrecklichen menschlichen Verlusten erkauft. Wie ich eingangs erwähnte, sollten wir weniger in Kategorien wie Gemeinschaften, Ländern, Einheiten, Gebieten oder Landkarten denken, sondern vielmehr an die Menschen denken.
Die Verschmelzung müsste sich also auf direktem Wege zwischen den Deutschen und den Franzosen ergeben, das heißt unmittelbar von Individuum zu Individuum vollzogen werden.

Geschichte des Wandels

Wir müssen eine neue gemeinschaftliche Dynamik erschaffen, vielleicht sogar neue Institutionen. Alle früheren – sowohl Ihre als auch unsere – sind mit zwei zu Ende gehenden Ären, nämlich der des Schrifttums und der des Druckes, verbunden.
Es gab eine Zeit, in der die Heroen ihre Botschaften mündlich überlieferten, indem sie die unsterblichen Heldentaten von Gilgamesh, den Zorn des Achilles als Krieger oder die Listen des Odysseus als Seefahrer besangen. Allein Hirn und Körper dienten als Gedächtnis und als Vehikel für die Botschaften. Wenn ein Greis verstarb, betrauerte man mit seinem Ableben gewissermaßen den Verlust einer ganzen Bibliothek von Erinnerungen und Erlebnissen. Diese Ära könnte man als Zeitalter der mündlichen Überlieferung betrachten.
Die Erfindung der Schrift – durch die Ideen und Gedanken von Menschenhand in Marmor und Stein gemeißelt, auf Schriftrollen und in handschriftlichen Büchern festgehalten

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wurden (wie beispielsweise die von Meister Eckhart hinterlassenen Lehren) – hat alle früheren Institutionen, die weitgehend dem Vergessen anheim gefallen sind, völlig verändert. Sie ermöglichte das Verfassen von Gesetzestexten, die Entstehung von Staaten, die Zentralisierung der Städte, die Organisation der Bildung, sicherlich auch die wundersame Geburt der Geometrie in Griechenland und die aus der Feder der Propheten geflossene Offenbarung eines einzigen Gottes in Israel.
Die Erfindung des Drucks, die zur maschinell gestützten Verbreitung von Botschaften führte, rief ähnliche Umbrüche hervor, nämlich juristische, wirtschaftliche, politische, aber auch die Anfänge der von der mathematischen Physik angeführten modernen Wissenschaft. Diese Erfindung hat die Reformation ermöglicht; dabei hat Martin Luther seine Schriften in deutscher Sprache drucken lassen. Der Leitsatz der Reformation könnte in dem ironischen und heute sicherlich diskussionswürdigen Ausspruch „Jeder Mensch ist ein Papst, eine Bibel in der Hand“ zusammengefasst werden. Aus seinem satirischen Kontext herausgelöst, lässt er bereits eine gewisse Erneuerung der Demokratie erahnen. Der Zugang zu Büchern und damit zu Wissen ebnete den Weg, sich von der Bürde der gewaltigen Überlieferungen zu befreien. Oder wie Montaigne sagte: „Besser einen gut geschulten als einen zu gefüllten Kopf.“ Wo sich plötzlich der Einzelne in die Lage versetzt sah, die Entscheidungen der Obrigkeit zu hinterfragen, wurde deren Autorität brüchig.
Heute erleben wir den vierten Akt dieser tausendjährigen Geschichte, welche uns von der mündlichen über die (hand)schriftliche und die gedruckte Überlieferung schließlich ins digitale Zeitalter führte. Die technologischen Neuerungen, die die Verbindung zwischen der Botschaft und ihrem Träger erneut verändert haben, ziehen bereits jetzt Umbrüche nach sich – und werden dies auch in Zukunft tun –, die genauso stark sind wie diejenigen, welche dem Menschen von den beiden vorangehenden Zeitaltern in allen Bereichen aufgezwungen wurden: Recht, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Bildung und Religion … Zwar an sich hervorragend und auf breiter Basis anerkannt, erweisen sich unsere demokratischen Prinzipien heutzutage als wirkungslos, weil sie den Rahmenbedingungen vergangener Zeiten folgen. Wir erleben ein neues Entwicklungsstadium, in dem sich die Stimme jedes Einzelnen äußert, und das viel zahlreicher als noch zu Luthers Zeit – und darüber hinaus in Echtzeit. Die neuen Technologien verändern unser Leben genauso entscheidend wie einst der Übergang von der mündlichen zur schriftlichen Überlieferung oder von der Handschrift zum Buchdruck.
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Öffentlicher Aufruf

Wie ich bereits gesagt habe, sind wir zwei Völker von Erfindern, Entwicklern und Entdeckern. Lassen Sie uns gemeinsam wirken, um einer neuen Form des Zusammenlebens und des menschlichen Daseins zum Durchbruch zu verhelfen. Meine Vorstellung einer Verschmelzung kann und will ich nicht alleine mit Leben erfüllen. Wir leben nicht mehr in Zeiten, in denen Gesetzgeber, Schriftsteller oder einsame Denker dem Volk, für das sie zu sprechen glauben, ihre Vorstellungen überstülpen können. Ich hätte vorwegnehmen müssen, dass der wahre Schatz eines Landes sicherlich in seinen politischen oder wirtschaftlichen Traditionen liegt, aber vor allem in seinen lebendigen Individuen: in den Frauen, ihrem Talent und ihrer offenen Güte; in den Greisen und ihrer Erfahrung; in den Kindern und ihrer Frische; sowie in den Männern und ihrer erfinderischen Geisteskraft.
Ich träume daher nicht von einer Verschmelzung von Deutschland und Frankreich als zwei Nationen mit je eigenen Grenzen und Regierungen. Vielmehr möchte ich von zwei Konzepten, zwei Veranlagungen sprechen. Ich möchte also keine neue Karte entwerfen, da der reale Raum einen Ort der Ausgrenzung darstellt, sondern eine neue Verbindung herstellen zwischen Deutschen und Franzosen, noch besser, zwischen Rheinländern, Bretonen, Bayern, Elsässern … in Form eines virtuellen Raumes, in dem wir alle einander zu jeder Zeit begegnen können.
Ich träume davon, dass wir, unserer Zeit entsprechend indem wir die neuen Technologien nutzen, interaktiv zusammenarbeiten und der Vielzahl unserer Stimmen Gehör zu verschaffen; dass wir ein neues Konzept erdenken, welches das der Nation ersetzen kann und andere, an das Computerzeitalter angepasste Entscheidungsformen ebenso beinhaltet wie grundlegende neue Gestaltungsweisen für die Gesellschaft, das Gesundheitswesen, die Landwirtschaft, die Industrie, den Handel, die Umwelt, das Bildungswesen, die Kultur und die Wissenschaft.
Wir müssen alles neu erfinden, da wir in Zeiten leben, in denen sich alle Bereiche unseres Lebens grundlegend verändert haben: der Umgang mit der natürlichen Umgebung und damit das In-der-Welt-Sein, die städtische Gesellschaft und folglich die Staatsbürgerschaft, die Medizin und die Lebenserwartung, die Beziehung zur Geburt und zum Tod, das Verkehrsaufkommen, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die kulturelle Vielfalt, der Umweltschutz … Alles muss neu erfunden werden, und zwar in einem Umfeld, das sich vollständig von dem unterscheidet, in dem unsere veralteten Institutionen entstanden sind, welche uns in einer Art von Trägheit nach wie vor dienen. Wirklich alles muss neu gestaltet werden, denn selbst die neuen Technologien zollen noch den
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vergangenen Zeiten Tribut, nämlich einer Marktwirtschaft, in der es noch keinen Zusammenhalt gibt.
Lassen Sie uns zusammen neue gemeinschaftliche Räume eröffnen. Appellieren wir in diesem Sinne an unsere Schwestern und Brüder, und zwar an jeden Einzelnen.
Der Eingriffe überholter Gesellschaftsstrukturen derart überdrüssig, wie viele Völker würden es uns gleich tun, wenn wir mit dieser Utopie Erfolg hätten, wenn wir gemeinsam eine neue Realität unserer Zeit erschaffen?
MICHEL SERRES

(Übersetzung: Dr. Maxime Mauriège)

Dankesrede von Michel Serres - france -

Veröffentlicht am 23.02.2014


Plaidoyer pour la fusion

Discours de remerciement de Michel Serres à l'occasion de la remise du 'Meister Eckhart Preis' 2012

Chers amis,

Ému de votre générosité, je dois, en guise de remerciement, vous dire à voix haute mon rapport vivant à l’Allemagne et avouer le rêve que cette relation, raisonnable et passionnelle, m’inspira.

Ma vie

J’avais neuf ans au début de la seconde guerre mondiale et quinze en sa fin; j’ai donc vécu la mobilisation, la défaite subite, l’occupation, les privations et les bombardements; j’ai vu arriver les réfugiés, partir les déportés, j’ai connu l’épuration et suivi les travaux du tribunal de Nuremberg. J’ai tant souffert, enfant, des tragédies qui opposèrent nos deux peuples que je n’ai pu apprendre l’allemand, langue pourtant que j’ai su, plus tard, aimer, respecter, admirer. Ma formation première a été blessée intimement par ce conflit et par ceux qui ont précédé ou suivi. Plusieurs guerres abominables ont construit mon corps, mes os, ma chair et mon sang; j’ai donc une âme de paix.
Durant les années 1950-1970, adulte, j’ai participé avec enthousiasme à la réconciliation et aux rapprochements. Professeur d’Université, j’ai accueilli dans mon cours, à Paris, beaucoup d’étudiantes et d’étudiants allemands, devenus depuis mes amis, qui alors étaient malades de culpabilité; je les consolais. «De quoi parlez-vous», leur disais-je, «nous avons oublié!» L’histoire demande un devoir de mémoire, mais la vie exige le devoir d’oubli.
Depuis soixante ans, une paix, historiquement rare, règne en Europe occidentale où l’amitié a remplacé la haine. 85% de vos mariages mixtes unissent des couples franco-allemands. Chaque fois désormais que, me rendant de France dans votre pays, je passe la ligne qui, jadis, traçait entre nous la frontière, mais qui, depuis son abolition, a rendu obsolètes guérites, fonctionnaires et contrôles de toutes sortes, alors, pris d’émotion, je verse des larmes; je ne peux m’empêcher de pleurer. Quelle joie de ne plus vivre séparés!
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Quel progrès depuis le temps où nous laissions, sur une terre pourtant fraternelle, des millions de morts!
Je suis fier d’appartenir à la génération qui suit celle des pionniers de la construction européenne tels qu’Adenauer ou Schumann, lesquels travaillèrent leur vie durant à rapprocher deux pays jadis déchirés au cours de batailles que beaucoup considèrent comme des suicides collectifs. Pour mille raisons, mais surtout pour cet irénisme, c’est-à-dire une prise de position pacifiste, je me présente devant vous comme un Européen convaincu.
Mais impatient, aujourd’hui, de courir à l’étape suivante, celle de la fusion. J’en rêve. Nous devons, ensemble, passer la deuxième vitesse de l’Union européenne. Je souhaite une complète union entre l’Allemagne et la France, ou plutôt entre les Allemands et les Français. J’explique plus loin cette distinction.
Quelles raisons rendent cette fusion souhaitable, possible et peut-être nécessaire ? Notre histoire Il arrive qu’Allemands et Français se croient fort différents. Je voyage beaucoup pour enseigner; je vis depuis longtemps aux États-Unis et ailleurs, où je rencontre des émigrés comme moi. Au sein de l’Europe, nous ne nous rendons pas compte à quel point, pontant nos dissemblances, une culture commune nous anime et nous unit. De l’extérieur, elle se remarque mieux. Plusieurs traits nous rapprochent.
Voici deux peuples de penseurs, de savants et d’ingénieurs, fort différents des anglais, plus empiristes et sceptiques. La pensée cartésienne à la française n’est pas si éloignée de l’idéalisme allemand ni nos Lumières de votre Aufklärung. Voilà autant d’expressions d’une confiance passionnée en la raison. La recréation en Allemagne du modèle universitaire au XIXe siècle, fut stimulée par les succès de la science française avant et après la Révolution. Notre histoire culturelle montre une floraison parallèle, souvent fraternelle, de mathématiciens purs, de physiciens, biologistes, spécialistes de sciences humaines… Nous affrontons l’abstraction et savons l’appliquer. D’où mille inventions formelles et pratiques, techniques et industrielles.
Deuxième proximité: Nous avons un respect commun de l’État et du droit. Certes, nous différons dans la décentralisation, plus souple sur la rive droite du Rhin qu’en France, mais, inversement, le tribunal de Karlsruhe a plus de pouvoir et d’indépendance que notre Conseil Constitutionnel.
Troisième proximité, religieuse celle-là: Nous avons vécu et vivons encore la dualité chrétienne catholiques-protestants: plus luthérienne d’un côté du Rhin, plus calviniste, de l’autre. J’ai souvent pensé à la Révocation de l’Édit de Nantes qui a ‘peuplé’ Berlin, par
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exemple de familles d’émigrés français. Nos guerres, depuis lors, ne furent-elles pas fratricides? Enfin, nous sommes fascinés les uns par les autres. Les Français sont attirés par l’Allemagne, par ses succès économiques et industriels, et les Allemands intéressés par le mode de vie français, qu’ils trouvent parfois heureux. Les automobiles d’un côté; les fromages et le vin, de l’autre! Beethoven ici, les Impressionnistes, là. Cette fascination peut devenir, parfois, puissamment critique: vous haïssez notre indiscipline, nous détestons votre obéissance. L’attirance, même et surtout accompagnée de ce genre de violence, ne caractérise-t-elle point les passions de l’amour?
Mais il ne s’agit là que d’histoire et de clichés convenus. Parlons du présent. Le projet Notre fusion est, aujourd’hui, devenue nécessaire pour ces raisons positives, mais aussi parce que nous courons, tous deux, des dangers. La France, de son côté, est en difficulté économique. Elle a opté pour les grands groupes et le manque de PME pèse lourdement sur ses échanges. Elle subit une crise sérieuse de désindustrialisation. Inversement, l’Allemagne a pris les bonnes décisions et en récolte aujourd’hui les résultats heureux. En meilleure santé, pour l’économie, que tous les pays européens, elle en attire la main d’œuvre. Mais elle subit, quant à elle, une crise de dénatalité, face à une assez bonne natalité française.
Nous sommes donc en danger l’un et l’autre, ce que nous n’admettons pas volontiers, parce que nous continuons à suivre des modèles dont l’excellence nous a réussi dans le passé, mais qui se trouvent de moins en moins adaptés au monde actuel. J’ai peur que nous devenions de bons constructeurs de Musées, en ressassant le chapitre que je viens de clore, sur notre culture commune.
En danger tous deux, pouvons-nous nous sauver l’un par l’autre? Oui. Fusionnons.
Comment?

Désuétudes

Cette union ne doit prendre la forme ni d’une Nation ni de la Patrie. Les sentiments et les idées induites par ces organisations historiques produisirent, jusque dans le passé récent, trop de guerres et de morts. Rien de plus enivrant que le sentiment d’appartenance, mais il coûte cher, affreusement, en vies humaines. Je l’ai dit en commençant, pensons moins en termes de communautés, de pays, d’ensembles, ou même d’espace, ou même de carte…qu’en termes de personnes.
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Si la fusion se fait, elle doit se décider directement entre les Allemands et les Français, d’individus à individus. Histoire des nouveautés Inventons un nouveau type de dynamisme associatif, peut-être même de nouvelles institutions. Toutes les anciennes, les vôtres comme les nôtres, sont liées à deux ères qui s’achèvent, celle de l’Écrit et celle de l’Imprimé.
Il fut autrefois un temps où les aèdes propageaient leurs messages de la voix vers les oreilles, en chantant les exploits immortels de Gilgamesh, la colère d’Achille, guerrier, les ruses d’Ulysse, marin. Les cerveaux et les corps servaient seuls de mémoire, de supports pour les messages. Quand un vieillard mourait, le deuil regrettait l’équivalent d’une bibliothèque, souvenirs et expériences. On pourrait nommer cette ère: orale.
L’invention de l’écriture – le message gravé de main d’homme sur le marbre, l’airain, le rouleau, puis le manuscrit… tel l’enseignement légué par Maître Eckhart – bouleversa toutes les institutions d’alors, dont nous avons perdu en grande partie souvenance. Elle permit la rédaction de textes de lois, l’émergence de l’État, la centralisation des villes, l’organisation de la pédagogie, sans doute aussi la naissance miraculeuse de la Géométrie en Grèce et, en Israël, la révélation d’un Dieu unique, écrivant par la plume des Prophètes.
L’invention de l’imprimerie – le message gravé de manière artisanale et mécanique – suscita d’analogues révolutions: juridiques, commerciales, politiques, même les commencements de la science moderne, pilotée par la physique mathématique. Elle fit aussi apparaître la Réforme; à cette occasion, Martin Luther fit imprimer ses écrits en langue allemande. Le mot d’ordre de la Réforme pourrait ainsi se résumer à cet adage ironique (et peut-être discutable): «Tout Protestant fut Pape une Bible à la main» (témoignant des rapports que le protestantisme entretenaient avec l’Écriture Sainte). Sortie de son contexte satirique, cette phrase laisse alors transparaître un certain renouveau de la démocratie. Il suffisait, en effet, de disposer de livres pour se délivrer du poids volumineux de la mémoire et avoir, comme disait, chez nous, Montaigne, «un tête bien faite et non une tête bien pleine», pour juger, à part soi, des bienfaits ou des méfaits de telle ou telle décision prise par la hiérarchie. Celle-ci, du coup, devenait fragile.
Nous vivons aujourd’hui le quatrième acte de cette histoire millénaire, scandée par ces ères orale, écrite, imprimée… enfin numérique. La nouveauté électronique, qui change, à nouveau, le couple message-support, entraîne et entraînera des bouleversements aussi puissants que ceux que les deux ères précédentes imposèrent dans tous les domaines: droit, économie, politique, science, pédagogie et religions… Excellentes certes, et même les meilleures connues, nos représentations démocratiques s’essoufflent aujourd’hui, parce
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qu’elles datent d’ères achevées. Nous vivons un nouveau stade, où la voix de chacun parle, plus nombreuse encore qu’à l’époque de Luther, et, de plus, en temps réel. Les nouvelles technologies nous font franchir un cap aussi décisif que le passage de l’oral à l’écrit ou celui de l’écrit à l’imprimé.

Appel aux personnes

Je viens de le dire, nous sommes deux peuples d’inventeurs, de concepteurs, de découvreurs. Élaborons ensemble, de nouvelles manières de vivre et d’exister ensemble. Mon programme de fusion, je ne peux pas, je ne veux pas le remplir tout seul. Nous ne vivons plus aux âges où le législateur, écrivain ou penseur solitaire, proposait, imposait plutôt son organisation à un peuple qu’il pensait représenter. J’aurai dû le dire en commençant, le vrai trésor d’un pays se trouve, certes, dans la richesse de ses traditions, politiques ou économiques, mais surtout en ses individus vivants: les femmes, leur talent et leur bonté ouverte; les vieillards, leur expérience; les enfants, leur fraîcheur, et les mâles, leur vigueur inventive.
Je rêve donc non point d’une fusion entre l’Allemagne et la France, entre deux Nations, munies de frontières et de gouvernements, j’allais dire entre deux concepts, j’allais dire entre deux espaces, – je ne veux pas dessiner une nouvelle carte puisque l’espace réel est le lieu de l’exclusion – mais d’une alliance, d’un mélange entre les Allemands et les Français, mieux encore entre les Rhénans, les Bretonnes, les Bavaroises, les Alsaciens… dans un espace virtuel à créer, où nous pourrions accéder les uns aux autres en même temps.
Je rêve que, fidèles à notre temps, tous ensemble – les nouvelles technologies permettent de dialoguer, de faire entendre notre voix quel que soit notre nombre – nous inventions une nouvelle notion qui remplacerait celle de Nation et concevions d’autres formes de décision adaptées à l’ère informatique, des manières neuves de gérer, d’organiser nos vies civile, hospitalière, agricole, industrielle, commerciale, environnementale, pédagogique, culturelle, intellectuelle…
Tout est aujourd’hui à réinventer, car nous vivons un temps où mille et mille choses se sont transformées: le rapport au travail de la terre et donc l’être-au-monde; la population des cités, donc la citoyenneté; la médecine et l’espérance de vie, le rapport à la naissance et à la mort, la fréquence des transports, l’égalité des sexes, le mélange des cultures, la protection de la nature… Tout est à réinventer dans un environnement qui n’a plus rien à voir avec celui qui a vu naître des institutions désuètes que, par une sorte d’inertie, nous continuons à servir. Tout est à réinventer puisque les nouvelles technologies elles-mêmes sont encore tributaires des périodes antérieures, celles d’une économie de l’échange où le fusionnel n’a toujours pas lieu.
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Découvrons ensemble de nouveaux espaces communautaires. Appelons, pour cela, nos sœurs et nos frères, un à un.
Ainsi lassés des violences engendrées par des collectifs surannés, combien de peuples nous imiteraient si nous réussissions cette Utopie, si nous inventions ensemble la Réalité de notre temps?

MICHEL SERRES
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