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Ausstellung oder Seilschaft

Veröffentlicht am 23.02.2014
Ein Sieb für die Duisburger Künstler!



Ein Kommentar zur Ausstellung 47/12

von Clodwig Francon



Die Pressemitteilung die uns aus der Kunstgemeinde Duisburg erreichte gefiel uns sehr gut. Das Lehmbruck Museum will das erstellen einer Künstlerdatenbank übernehmen. Eine derartige Datenbank ist für alle Beteiligten der regionalen Kunstszene eine ganz wunderbare und nachhaltige Angelegenheit! Die Künstler aller Richtungen können sich hier einbringen und stehen hier unabhängig von ihrer künstlerischen Entwicklung einträchtig nebeneinander. Für Galerien, Museen und Sammler kann dies eine unerschöpfliche Quelle von Kreativität sein. So können alle Beteiligten hieraus nur Vorteile ziehen!



Die Ankündigung aus diesem Kreativpool heraus im zweiten Schritt eine Ausstellung im Lehmbruck Museum zu generieren, stellt an die Künstler einen hohen Qualitätsanspruch.  Mit der Datenbank als Basis kann langfristig die gesamte der Duisburger Künstlergemeinde ein hohes Niveau erhalten, das keinen internationalen Vergleich scheuen muß. Diese Mühen sind es allerdings wert, denn den Fach- und Sachverstand des Museums im Rücken kann man sich voll der eigenen künstlerischen Entwicklung widmen.



Allerdings beschlich uns beim Lesen des zweiten Schrittes dieser Meldung ein kleines Unbehagen dem wir nachgehen wollten. Die Duisburger Künstlerinnen und Künstler erhielten im in diesen Tagen ein gleich lautendes Schreiben. Allerdings, nur fast gleich lautend, denn im Wortlaut des zweiten Abschnittes zeigte sich einen kleiner aber sehr gravierenden Unterschied. Aber genau dieser Unterschied gibt einem sehr guten Vorhaben einen etwas bitteren Beigeschmack.



Hier der Wortlaut (Auszug) aus der erhaltenen Pressemeldung;



In einem zweiten Schritt soll nach Sichtung des Archivs eine Ausstellung kuratiert werden, die unter dem Titel "47/12 - Kunst aus Duisburg" im Winter 2012/2013 zu sehen sein wird. Für die Auswahl der beteiligten Künstler_innen wird eine Jury berufen, die zu gleichen Teilen aus Vertreter_innen der Duisburger Künstler_innenverbände sowie den Kurator_innen des Museums besteht. Als Jury-Vorsitzende konnte die renommierte Düsseldorfer Kunstkritikerin Katja Behrens gewonnen werden. Als Kontakt für die Künstler_innen im Lehmbruck Museum nimmt Romina Pieper gerne die Einsendungen entgegen.



Hier der Wortlaut (Auszug) des Schreibens an alle Künstler;



Darüber hinaus plant das LehmbrucClodwig Francon aus Duisburg für der Ötschk Museum eine Ausstellung mit Duisburger Künstlern unter dem Titel „47/12 – Kunst aus Duisburg“. 47 steht hier für die Postleitzahl, 12 für 2012. Die Eröffnung findet am 6. Dezember 2012 statt. Eine vom Museum, unter dem Vorsitz der renommierten Düsseldorfer Kunstkritikerin Katja Behrens, eingesetzte Jury wird anhand der eingereichten Unterlagen Künstler auswählen, von denen sie überzeugt ist, dass zukunftsweisendes Potential vorhanden ist. Dafür können Sie gerne eine Ihrer Arbeiten der letzten zwei Jahre als Ausstellungsstück vorschlagen. Als Ort der Ausstellung ist die große Glashalle vorgesehen.



Wollen sich Duisburger Künstler also in Zukunft selbst die Kante geben?



Nun es macht einen großen Unterschied, „Wer“ über „Wen“ zu urteilen hat. Eine Jury die sich zur Hälfte aus Beteiligten rekrutiert, kann niemals ehrlich, offen und unabhängig sein, denn sie ist zugleich auch immer Betroffene. Diese Konstellation beinhaltet eine Interessenkollision auf höchstem künstlerischen Niveau und würde jedem Qualitätsstandart widersprechen. Eine hochkarätige und unabhängige Jury zusammen zu stellen hat natürlich auch etwas mit Kosten zu tun und die Budgets für derartig innovative Vorhaben sind äußerst schmal oder gar nicht vorhanden. Doch vielleicht lassen sich Mitarbeiter aus den RuhrKunstMuseen oder auch Lehrkräfte aus den Universitäten des Ruhrgebietes für eine derartige Aufgabe gewinnen, ohne gleich in den großen Honorartopf zu greifen. Hier könnte die Region beweisen, welche Qualität hier zu Hause ist und das sie einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht.



Nach den leidvollen Erfahrungen, welche die Künstlergemeinde des Ruhrgebietes im Nachgang zur Kulturhauptstadt mit dem Netzwerk „Starke Orte“ und dessen Verramschung durch „leitenden“ Protagonisten erfahren durfte, sollten die hier beteiligten professionellen Kunstwerker so etwas tunlichst vermeiden, denn Wiederholungen von derartigem Übel schafft nur Frust auf allen Seiten. Eine Vielzahl von Künstler_Innen hat ein sehr feines Gefühl, für die in der politischen Landschaft mittlerweile üblichen faulen Kompromisse. In diesen Absprachen geht es meist nur um Macht, Gier und Fördergelder.



Was die Künstlergemeinde in Duisburg, sowie auch im gesamten Ruhrgebiet braucht ist mehr Selbstvertrauen und eine Lobby aus Museumsdirektoren_Innen und Galeristen_Innen die nicht primär mit einem verklärten Blick über den großen Teich, nach Brandenburg oder in den nächsten Fördertopf schielen.




„Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden.“